Erzählt wird die Geschichte von Violet. Das Leben ist für sie eine einzige Party. Echte Gefühle lässt sie nicht zu. Das ändert sich, als sie Alfred trifft: Mit ihm wagt sie es, wirklich zu lieben. Doch Alfreds Mutter ist gegen diese Beziehung und treibt die Liebenden auseinander. Violet verlässt Alfred und kehrt zurück zu ihrem alten Lebensstil – zu den Partys und den Drogen.
Doch dieses Leben macht Violet krank. Anders als im Original stirbt die Protagonistin hier nicht an Tuberkulose, sondern an ihrer Drogensucht.
Fotos Hamburg Opernloft
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Presse Hamburg
HAMBURGER ABENDBLATT
Nicht Ecstasy, sondern eine Droge mit dem Namen Oper
HAMBURGER MORGENPOST
Die Gesellschaft mit Gruppenzwängen spielen die elf jugendlichen Laien in vier Typen-Gruppen:
Die „Immer-Highen“ dröhnen sich systematisch zu, die „Dancers“ tanzen sich in Ekstase, die „Abschlepper“baggern nicht nur „Pussys-Deluxe“ an, jene bis zur Unkenntlichkeit gestylten Mädels.
Ein tolles Stück für Jugendliche und Operneinsteiger, aber auch ein Statement gegen jede Formvon Drogen, dem reichlich applaudiert wurde.
HAMBURGER ABENDBLATT
Opernfremde, elektronische Beats mischen sich unaufdringlich zwischen die Arien, mit der ersten „Electr‘Opera“ betritt das „Junge Musiktheater“ Neuland. Frank Valet hat Verdi kompositorisch „ergänzt“, als Alfred trägt er das knapp zweistündige Stück maßgeblich mit. Die Liebesgeschichte zwischen ihm und Violet scheitert - wie in der richtigen Oper - an der Intoleranz der Eltern und der
zweifelhaften Vergangenheit Violets.
OPER UND TANZ
„Man muss die Phantasie nicht ersticken durch Ausstattung, sondern eher die Handlung und die Emotionen nach vorn stellen, das ist unsere Idee“, sagt Inken Rahardt. Und noch etwas unterscheidet das Junge Musiktheater Hamburg von herkömmlichen Opernhäusern: „Wir haben keine dicken Opernsänger, die an der Rampe stehen und einfach ihr Zeug brüllen. (…) Wir achten darauf, dass der Typ Opernsänger passt. Vielleicht muss man da stimmlich hier und da einen kleinen Abstrich machen, aber das gesamte Ergebnis muss passen.“
So lobenswert Selbstkritik ist, an dieser Stelle ist sie nicht notwendig. Das beweist nicht zuletzt die absolut professionelle Qualität der jüngsten Produktion, die Electr‘Opera „Lost Violet“ nach Verdis „La Traviata“, die im Februar Premiere feierte. Die Original-Komposition wurde kombiniert mit elektronischer Musik, das Werk gekürzt auf rund 90 Minuten (…) für Jugendliche ab 15. Am leichtesten identifizieren die sich mit Altersgenossen. Und so sind es junge Menschen zwischen 15 und 18, die neben professionellen Opernsängern die Hauptrolle spielen. Sie wurden beteiligt an der musikalischen und inhaltlichen Bearbeitung, an Bühnenbild und Kostümen – und sie stehen mit auf der Bühne. Ein Wagnis, vielleicht. Sind doch Jugendliche eher sprunghaft in ihren Vorlieben und wenden sich nach anfänglichem Enthusiasmus oft schnell wieder ab von dem, was sie eben noch toll fanden. Aber das Experiment scheint gelungen zu sein. Die zwölf jungen Mitwirkenden sind allesamt infiziert vom Opern-Virus. Musiktheater doof zu finden – das war mal. Die 16-jährige Gymnasiastin Svea Beckedorf etwa ist fasziniert, denn sie hat endlich mal eine Oper
verstanden. Und die Mitwirkung an dieser Produktion findet sie spannender als feiern, rumhängen und ausschlafen: „Mir macht das sehr viel Spaß! Meine Freizeit dafür zu nutzen, ist total in Ordnung. Ich finde das richtig cool. Ausschlafen finde ich nicht so wichtig, da gehe ich lieber hierher.“ Die jungen Leute sind mit Feuereifer dabei, wohl auch, weil sie ein großes Mitbestimmungsrecht
haben. Und weil es um sie geht und um ihre Probleme. Immerhin steht das Thema Drogensucht im Mittelpunkt der Produktion. Begleitet wird sie vom Suchtpräventionszentrum Hamburg, das am Rande der Aufführung vollkommen unaufgeregt und ohne erhobenen Zeigefinger über die Folgen des Konsums von Ecstasy, Crack und Alkohol informiert.
HAMBURGER MORGENPOST: „Lost Violet“ – Erfolgreiche Premiere der „Electr‘Opera“ Sie schlucken wahllos Bier, Jägermeister und Ramazotti, zwischendurch werfen sie Pillen ein – E wie Ecstasy. Das bringt die Spaßgesellschaft schneller um als eine langwierige Krankheit. An solch einer Überdosis stirbt auch Violet, eine heutige Schwester der Violetta aus Verdis „La Traviata“.
Im Opernloft wurde „Lost Violet“ uraufgeführt, mit elf Jugendlichen und vier Profis.
Staatstheater Kassel, Fotos: Dominik Ketz
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Presse Kassel
Lost Violet, HNA
Premierenjubel für Theaterjugendorchester-Projekt „Lost Violet“
Stört hier was die Party?
von Werner Fritsch
Die Party muss weitergehen. Das erste Drogenopfer, ein Mädchen, das sich unter hypnotischen Klängen zu Tode wirbelt, wird eben mal entsorgt. Dann kommt die Verdi-Ouvertüre, und es geht los: „Heute Nacht haben wir viel Spaß“, singen die Jugendlichen, und der geheimnisvolle Doktor im weißen Lackmantel, der alles über Monitore kontrolliert, verabreicht ihnen kleine Pillchen.
„Lost Violet“ heißt dieses Stück - im Original als „La traviata“ eines der erfolgreichsten Werke der Operngeschichte. Doch hier, beim neuesten Projekt des Kasseler Theaterjugendorchesters (TJO), wird eine etwas andere Geschichte erzählt als die der Kurtisane Violetta, die der öffentlichen Moral wegen auf ihren Geliebten Alfredo verzichtet: Violet ist drogensüchtig, ihr Dealer, der Doktor, ist Alfreds Vater. Und der will die beiden auseinanderbringen: „Mein Sohn wird nicht mit Ihnen untergehen!“
Der Traum vieler Opernregisseure wird hier wahr: Ein Stück wird nicht nur oberflächlich aktualisiert. Es wird eine neue Geschichte erzählt - und dazu wird auch die musikalische Struktur verändert: ein auf zwei Stunden gestraffter Abend mit eingeschobener elektronischer Musik, mit Rap-Nummern und unterlegten Beats. Ein Konzept, das Kassel als „Electr’Opera“ vom Jungen Musiktheater Hamburg übernommen und weiterentwickelt hat.
Trotzdem bleibt viel Verdi übrig, etwa das berühmte Brindisi-Trinklied, das hier geschickt zur Opern-Karaoke umfunktioniert wird.
Toll, was sich Regisseurin Lisa Marie Küssner, Justyna Jaszczuk (Bühne) und Judith-Patricia Schenk (Kostüme) haben einfallen lassen: Die Bühne, eine Mischung aus Dancefloor und Skaterbahn, ist eine ideale Spielfläche für die Clique aus 16 Jugendlichen, in der sich Violet und Alfred begegnen, und die mit viel Spielfreude und gekonnten Einlagen die Handlung in Schwung hält.
Als emotional packende Oper ist die Liebesgeschichte inszeniert. Katrin Müller ist als Violet eine starke Punkfrau und zeigt sich auch stimmlich Verdis Arien-Hits gewachsen. Ebenso Ilja Werger, der sensible Alfred, der singt und Geige spielt. Seine mit viel Schmelz gesungene Arie „Un di felice“ hat den Text „So süß, so sexy“. Als Gegenpol wirkt der unheimliche, stimmlich starke Doktor Hans Lydmanns.
Bestens gelingt die Integration von Alltagstexten („Du stehst echt auf mich?“) wie auch die Verbindung von Verdis Musik mit neuen Klängen. Thomas Rimes, der musikalische Leiter, hat sie wirkungsvoll arrangiert und mit den Originalklängen verzahnt. Mit viel Verve leitet er auch das engagiert spielende 50-köpfige Theaterjugendorchester, das erhöht hinter der Spielfläche agiert. Allerdings stößt das teilweise sehr junge TJO bei der anspruchsvollen Verdi-Partitur auch an seine Grenzen.
Doch das tat dem lauten Jubel nach der Premiere im ausverkauften Schauspielhaus keinen Abbruch: Party im Zuschauerraum, so wie zuvor auch die Party auf der Bühne durch Violets Drogentod nur mal kurz unterbrochen wurde.












