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Welt am Sonntag, Katja Engler
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Und die Oper kann man doch neu erfinden
Im Opernloft singt ein Saxofon den Jason, und auch sonst ist vieles anders als in den großen Häusern. Die junge Oper für Einsteiger zeigt jetzt im neuen Domizil "Medea" Inken Rahardt ist eine gestandene Frau mit einer Menge Berufserfahrung. Wenn sie durch das herrlich geräumige Foyer ihres neuen "Opernlofts" im Gebäude des Axel-Springer-Verlages rauscht, wird ihre Präsenz sofort spürbar. Denn was sie und ihr weiblicher Kompagnon Yvonne Bernbom in den vergangenen sieben Jahren geschaffen haben, das haben sie sich hart erarbeitet, und darauf sind sie stolz. "Freizeit ha'm wir keine", sagt sie kurz und bündig. Aber das macht vielleicht auch nichts, wenn man für die Oper lebt. Die Sopranistin Inken Rahardt tut das seit Jahrzehnten. Mit 17 stand für sie fest, dass sie Sängerin werden wollte, und schon als Kind sang sie, wo sie ging und stand.
Ihr Herz brennt für die Oper, sie will diese Kunstform möglichst vielen Menschen zugänglich machen, die noch nie ihren Fuß in die Staatsoper gesetzt haben. Das ist ihr als künstlerischer Leiterin mit ihrem kleinen Team dank einiger grundsätzlicher Überlegungen gelungen: Das Publikum, das erheblich jünger ist als das an der Dammtorstraße, wird im Opernloft nicht mit dreistündigen Aufführungen gemartert. Inken Rahardt hat sich für die "opera breve" entschieden, eine beherzte 90-Minuten-Kurzfassung, in der vieles anders ist als im Original. In 90 Minuten werden hier nicht nur "La Traviata", "Figaros Hochzeit" oder die kaum bekannte Oper "Tolomeo" von Händel gespielt, sondern sogar Richard Wagners "Ring".
Als frisch und frech werden die "Opernloft"-Produktionen oft bezeichnet, im vergangenen Jahr bekam das 195-Plätze-Theater, das zuvor in der Conventstraße seine Heimat hatte, den begehrten "Pegasus"-Preis. Als Sängerin ist Inken Rahardt in ihrem Opernloft allerdings nicht mehr aktiv, sondern als künstlerische Leiterin und Regisseurin. Das kam so: Nach ihrer Ausbildung zur Opernsängerin hatte sie einige Engagements in den USA, und da "hatte ich es leider oft mit schlechten Regisseuren zu tun. Ich merkte, dass ich immer viele Ideen auf der Bühne hatte. Und dass ich es nicht mochte, als Requisitenschlepper herumzustehen. Ich bin ganz gern auch mit meinem Kopf dabei." Ihre Arbeit setzt bereits bei der jeweiligen Fassung an: "Die Stücke setzen wir manchmal sogar neu zusammen. ,Medea' ist zum Beispiel eine Art Collage geworden, angenähert an Euripides, mit Gesang, Schauspiel und Tanz. Unser Jason tanzt statt zu singen. Seine Stimme haben wir auf Sopransaxofon gelegt, das ein bisschen hyperventiliert, denn ich finde, dass er nie Stellung bezieht und eigentlich nichts sagt. Er ist ein Windei", sagt Inken Rahardt. In dieser "Medea" von Luigi Cherubini, die noch nie in Hamburg aufgeführt und einst von Maria Callas gesungen wurde, fallen die Nebenrollen weg, und die Geschichte ist reduziert auf den Konflikt zwischen zwei Frauen und einem Mann. Auch die Sänger, die im Opernloft singen, haben nicht immer eine stromlinienförmige Biografie vorzuweisen: "Hildegard Behrens war schließlich auch zuerst Juristin." Was hier zählt, ist neben der Stimme die Ausstrahlung. "Wir brauchen Sänger, die auch spielen können, die Körperbewusstsein mitbringen", sagt die Regisseurin und knetet ein bisschen die Hände. Dass die meisten Sänger noch immer wie die Statuen auf der Bühne stehen, kann sie nicht fassen und überlegt, ob sie nicht doch noch eine Schule aufmachen soll. Meisterkurse bietet das Opernloft ja bereits an.
Das nächste Standbein sind Tourneen im ganzen Bundesgebiet, deren Anzahl allerdings stark schwankt, denn die Opernloft-Aufführungen sind dem Publikum in der Provinz oftmals zu modern. Für Kinder und Jugendliche bietet das Opernloft jedoch eine ganze Menge an, "denn wenn man möchte, dass Oper eine zukunftsfähige Kunstform bleibt, muss man für Kinder etwas machen. Weil es noch etwas anderes gibt als Glotze und Playstation. Uns geht es auch um ästhetische Bildung. Kinder sollten lernen, auch mit Abstraktion umzugehen." Das klassisch-realistische "liebevolle Familienmusical", wie sie es grimmig nennt, ist ihr ein Dorn im Auge. Inken Rahardt will auch Kindern etwas zutrauen. Und Jugendlichen erst recht.
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SHZ
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Wenn Inken Rahardt über ihre Arbeit spricht, dürften so manch gestandenem Opernfan die Haare zu Berge stehen. Denn auf den ersten Blick scheint Rahardt der Oper gegenüber komplett respektlos. Das beginnt beim Umgang mit dem „Rohstoff“ Oper, also beim Werk, wie es einst Wagner, Mozart, Bizet und Konsorten in ihre Partituren geschrieben haben.
Rahardts Inszenierungen nämlich dürfen nie länger als 90 Minuten dauern. „Spielfilmlänge. Das sind die Leute gewohnt“, begründet die studierte Opernsängerin den harten Schnitt. 90 Minuten für einen Ring der Nibelungen (Original rund 15 Stunden), die Zauberflöte (zweieinhalb Stunden) oder Carmen (fast drei Stunden)? Und es endet beim Bühnenspiel selbst. Anstelle von großer Oper ist bei Rahardt Schauspiel á la Texttheater mit Gesang angesagt. „OperaBreve“ – nichts weiter als Instantoper für Kulturbanausen?
Der Anspruch jedenfalls ist ein anderer. Angefangen hat das Projekt der Hamburger Opernloft, sozusagen die kleine, flippige Schwester der Staatsoper, mit einem Tourneetheater speziell für Kinder. Rahardt ist mit ihrer Truppe in die Schulen gefahren, um den Kleinen große Musik in kindgerechter Aufbereitung näher zu bringen.
Vor anderthalb Jahren dann wurde die Loft eingerichtet. Schnell stellten die Opernmacher fest: Es kommen bei weitem nicht nur Kinder. Auch Erwachsene zeigten sich von der unkonventionellen Art, Oper auf die Bühne zu bringen, angetan. „Viele haben hier die Oper für sich entdeckt“, hat Rahardt beobachtet. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Yvonne Bernbom entwickelte die Regisseurin die Idee der Oper für Einsteiger.
„Die klassische Oper scheint in breiten Teilen der Bevölkerung negativ besetzt zu sein“, bemerkt Rahardt. Neben dem Sehen-und-gesehen-werden, das viele Menschen abschrecke und ihnen den Eindruck vermittle, es handle sich bei der Oper um eine Welt, in die sie nicht hineingehörten, sei da auch diese überholte Bühnenwelt: „Abgehalfterte Diven und unnatürliche Körperlichkeit; plus langatmige Inszenierungen“. Und dann glaubten viele auch, sie bräuchten erst einmal ein gewisses Maß an Grundbildung, um Oper überhaupt verstehen zu können.
Darum also Inszenierungen von maximal 90 Minuten Länge sowie Akteure, die nicht nur singen, sondern tatsächlich ihre Rollen auch spielen. Singender Weise. Und Hintergrundinformationen, die in das Stück mit eingeflochten werden. Wie zum Beispiel bei Carmen von George Bizet. Rahardt hat das Stück aus dem spanischen Sevilla in eine Schule verlegt. Im Unterricht wird die Oper durchgenommen, wobei sich die vier Akteure nur allzu schnell selbst in die Geschichte von Liebe, Eifersucht und unerwidertem Begehren. Dies sowie vier hervorragende Sänger, die zum Teil auch großartige und vor allem authentische Schauspieler sind plus einer Kammerbesetzung reicht, um in der Hamburger Opernloft Carmen auferstehen zu lassen. Und diesen Opernabend zu einem besonderen Erlebnis zu machen, bei dem jegliche Kürzung in Vergessenheit gerät und sämtliche Beteiligte durch ihr Können überzeugen. Dies ist Oper, die Spaß macht.
„Im Grunde hinkt die klassische Oper dem Sprechtheater um etwa 40 Jahre hinterher“ ist Rahardt überzeugt. Die OperaBreve nicht. Hier können sich die großen Häuser so manches abgucken. Und damit ist sie eines ganz gewiss nicht: Oper allein für Einsteiger.
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Theatergemeinde Magazin
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„Wie fandet ihr übrigens die Musik?„, fragt Seleuce. „Ziemlich barock„, antwortet Elisa. „Ich find die Musik gar nicht so barock„, erwidert Seleuce. „Ist sie ja auch nicht„, stellt Alessandro fest. Die drei, die hier fachsimpeln, sind Figuren aus Händels Oper „Tolomeo„. Dass sie fachsimpeln dürfen, ist dem Opernloft zu verdanken, dem Opernhaus für Einsteiger. Denn hier bekommen die Zuschauer zum Werk gleich die wichtigsten Hintergrundinformationen mitgeliefert. „Tolomeo„ ist der Beitrag des Opernlofts zum Händel-Jahr. Die Geschichte spielt original im alten Ägypten. Regisseurin Inken Rahardt hat sie ins Heute verlegt. Im Mittelpunkt: zwei ungleiche Brüder – Tolomeo und Alessandro. Der eine ist Künstler, der andere Kaufmann. Der eine ist das „Schwarze Schaf„ der Familie, der andere „Mamas Liebling„. Inken Rahardt hat für Händels transparente Musik eine klare Form gefunden. Ihre Inszenierung spielt auf einer schrägen Leinwand. Hier hat jede Figur ihre Farbe. Und die setzt sie ausdrucksstark ein. Das Blau von Tolomeo fließt ins Rot seiner Geliebten Seleuce. Das Grün von Alessandro vermengt sich beim Seitensprung mit dem Gelb von Elisa. Eine faszinierende Farben-Melange ergibt das – am Ende, an dem sich die Brüder nach dem Tod der Mutter versöhnen. Ach ja: Warum ist „Tolomeo„ nicht so Barock? Alessandro: „Anders als bei italienischen Barockopern üblich, in denen dauernd irgendwelche fremden Mächte eingriffen, gab’s diesmal nur Menschen mit ihren Gefühlen. Ganz pur. Auch die Arien. Keine langen Vorspiele, keine instrumentale Gefühlsduselei – Konzentration auf die Stimme.„ Eben pur. Pur Händel.
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NDR 90,3
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NDR 90,3
Im Opernloft in Wandsbek steht seit dem Wochenende eine der meistgespielten und beliebtesten Opern überhaupt auf dem Programm, ein Werk, mit dem Sängerinnen von Maria Callas bis Agnes Baltsa brilliert haben . CARMEN nämlich. Allerdings können Sie sicher sein: SO haben sie George Bizets Meisterwerk noch nie erlebt, so klein und so fein - und so kurz. 90 Minuten nur dauert die Inszenierung im kleinen Theater, ganze 4 Sängerinnen und Sänger treten auf -und sie werden begleitet von nur 3 Musikern. Eine Klarinette, ein Saxophon und eine Geige- und fertig ist er, der Triumphmarsch.
Inken Rahardt hat diesmal selbst Regie geführt. Sie stellt ein klares, beherztes und knackiges Konzept vor: Ihre 90- Minuten Carmen spielt weder in Sevilla, noch in einer Zigarettenfabrik - sondern: in einer amerikanischen Schule. Carmen, Micaela und Escamillo sind extrem jung - Schüler eben.
Escamillo, dargestellt von Ulrich Bildstein, ist der Superstar seiner Schule. Nicht weil er Torero wäre, diesen Beruf gibt's hier natürlich nicht. Er ist Footballstar. Und Carmen - feuert ihn an. Rahardt: "Das ist in allen Filmen so - der tollste Typ der Schule ist immer der Kaptiän vom Footballteam - und die tollste Frau ist Cheerleaderprinzessin. Und die sind auch immer zusammen...." Die Hamburgerin Feline Knabe spielt die Carmen als aufmüpfiges und provozierendes Mädchen. Es zeigt viel Bein und Augenaufschlag - und zwar am liebsten, wenn ihr Referendar anwesend ist- Ein gewisser José.
Die Wandsbeker Kurzopern sind immer mit kleinen Erzählpassagen versehen, Exkurse, in denen die Zuschauer Wissenswertes zum Stück erfahren. Im Fall "Carmen" fügen sich die Texte besonders schlüssig in die Inszenierung - Referendar Jose prüft seine Schüler einfach ab, zum Thema George Bizet, zum Thema Libretto und zum Thema: Warum wird Carmen als die erste Volksoper bezeichnet.
"Weil sie nicht von Adligen handelt. Sondern von Normalos wie uns. Das war damals unüblich und hat die Leute sehr schockiert." Gesungen wird ganz klassisch auf Französisch - doch die elektronische Schultafel auf der Bühne hilft vor allem dem Opernanfänger weiter, da leuchtet die deutsche Übersetzung auf. Doch zuweilen vergisst man einfach das Mitlesen. Dann zum Beispiel, wenn die wunderbare Jennifer Rödel auftritt, als zarte, und berührende Micaela. Wieder einmal haben die beiden Hausherrinnen des Opernlofts, Inken Rahardt und Yvonne Bernbom gezeigt, dass auch mit kleinem Budget Großes Möglich ist.
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Kultura Extra
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Kultura-Extra
Klassik meets Bodypainting
Eimerweise Farbe, vier Darsteller und ein kleines Ensemble aus Violine, Cello, Gitarre und Klavier: So sieht die OperaBreve-Inszenierung des „Tolomeo“ im Hamburger Opernloft aus. Und die ist in jeder Hinsicht einzigartig.
Zur Geschichte der eher unbekannten Oper des Komponisten Georg Friedrich Händel: Die ägyptische Königin Kleopatra III. hat zwei Söhne. Der jüngere Alessandro erfüllt die Wünsche seiner Mutter perfekt: Als fleißiger Kaufmann läuft er seinem großen Bruder Tolomeo, dem träumerischen Künstler, den Rang um die Gunst ihrer Mutter ab. Der tadellose Alessandro will die ebenso tadellose Seleuce zur Frau nehmen. Die jedoch verliebt sich in den „gefühlsechteren“ Tolomeo und verlässt Alessandro. Und dann ist da noch Elisa, die unnachgiebige Ex-Geliebte von Tolomeo, den sie um jeden Preis zurück will.
Das Opernloft verlegt die Geschichte um das Spannungsfeld zwischen Selbstaufgabe und Selbstverwirklichung in die heutige Zeit: Alessandro ist der tüchtige und erfolgreiche Geschäftsmann, der die Firma der Mutter führt - Tolomeo hingegen der freiheitsliebende Maler, der sich nicht den gesellschaftlichen Normen beugt. Dennoch bezuschusst ihn die Mutter, aus Angst um den guten Ruf der Familie. Damit ist Alessandro ganz und gar nicht einverstanden. Ebenso wenig wie damit, dass Tolomeo ihm die Verlobte ausspannt.
In Händels Original sangen ausschließlich Kastraten und Frauen. Im Opernloft singt Mezzospranistin Soomi Hong den Tolomeo und Countertenor Armin Stein den Alessandro. Im unterhaltsamen Stil der OperaBreve erklären die Darsteller unter anderem, was ein Countertenor ist und warum Händel einmal eine Pauke nach seinem ersten Geiger warf.
Neben Hong und Stein schlittern die herrlichen Sopranistinnen Lisa Jackson als Elisa und Lotta Hultmark als Seleuce während der Aufführung in BH, Rock und Negligé über die farbgetränkte Bühne. Die stellt nämlich ein riesiges Gemälde dar, auf der die Sänger ihre jeweiligen Emotionen und Handlungen ausdrücken.
Regisseurin Inken Rahardt brachte die Oper „Tolomeo“ zum 250. Todestag von Georg Friedrich Händel erstmalig auf die Bühne nach Hamburg - aufgrund der Unbekanntheit des Werkes ein Risiko. Und ein großes Glück für Hamburg, denn diese Inszenierung ist ein Genuss für Auge und Ohr!
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Hamburger Morgenpost
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Heiß! Bizet-Oper im Lolita-Look
Kurzes Röckchen und lustvolles Lolli-Lutschen - das Junge Musiktheater präsentiert eine Carmen im Lolita-Look. Und damit auch alle wissen, worum es geht, beginnt Inken Rahardts Inszenierung von Bizets Oper mit Frontalunterricht. Cheerleader Carmen (Feline Knabe) drückt mit Mauerblümchen Micaela (Jennifer Rödel) und Football-Hengst Escamillo (Ulrich Bildstein) die Schulbank. Referendar José (Wilhelm Adam) versucht vergebens, sie für "Carmen" zu interessieren.
Aber die moderne Pädagogik hat Mittel und Wege: Frei nach dem Motto "learning by doing" spielt man die Oper kurzerhand durch. In nur 90 Minuten, reduziert auf vier Sänger und drei Musiker, räumt dieses "Carmen"-Konzentrat auf mit jeder kastagnettenklappernden Koketterie. Stattdessen treibt die postpubertäre Erotik José so weit, dass er seine geliebte Carmen am Ende auf dem Sportfeld mit einer Eckfahnenstange erdolcht. Trash statt Texttreue - aber auch so macht Oper Spaß. Kurzer Abend, kürzere Röcke, langer Applaus.
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Kultura-Extra
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Carmen blickt herausfordernd ins Publikum und fährt sich lasziv mit ihren Händen über den schlanken Körper und durch die vollen, blonden Haare. Aus ihrem Dekolleté zaubert sie einen kleinen, roten Lutscher hervor, den sie genüsslich ableckt. Bevor die Aufführung beginnt, zupft sie noch einmal an ihrem kurzen Schuluniform-Röckchen, das dadurch noch ein Stückchen höher rutscht. Die Direktorin des OPERNLOFT in Hamburg, Inken Rahardt, versetzt die Handlung der Oper „Carmen“ von George Bizet im Rahmen der OperaBreve in die heutige Zeit und verwandelt die spanische Zigeunerin Carmen in eine begehrte und vor Selbstbewusstsein strotzende High-School-Queen, die in ihrer Launenhaftigkeit wahlweise mit Schulbüchern, Tarot-Karten oder auch mal Stühlen um sich wirft. Hals über Kopf verliebt sich das temperamentvolle Schulmädchen in den Musikreferendar José (Wilhelm Adam), was die schüchterne Mitschülerin Michaela (Jennifer Rödel), die sich schon mit José vor dem Altar sieht, mit größtem Missfallen beobachtet. Die schöne Carmen (Feline Knabe) setzt all ihre Verführungskünste ein, um Josés Herz für sich zu gewinnen – mit Erfolg. Doch als sie sich Josés Liebe sicher sein kann, verfliegt ihr Interesse an dem angehenden Lehrer, der sogar seinen Job für Carmen aufgeben will. Voller Eifersucht muss er mit ansehen, wie sich Carmen an den coolsten Jungen der Schule, den Football-Star Escamillo (Ulrich Bildstein), ranschmeißt und die beiden ein Paar werden. Als José Carmen verzweifelt bittet, ihrer Liebe noch eine Chance zu geben, lacht sie ihn verspottend aus – und die Situation eskaliert. Die 90-minütige Inszenierung von Carmen ist erfrischend anders – denn wie oft hat man Gelegenheit, die weltberühmte Arie „Si tu m’aime“ von einer sich auf einem Footballfeld im knappen, bauchfreien Cheerleader-Dress räkelnden Blondine und auch noch stimmlich einwandfrei zu hören?
Wer kein Französisch kann, muss übrigens nicht verzweifeln: Während der Aufführung wird auf der Bühne der deutsche Untertitel eingeblendet. So muss nicht einmal vorher der Inhalt der Oper studiert werden, um dem Geschehen folgen zu können. Wieder einmal eine absolut gelungene und sehenswerte Produktion des Jungen Musiktheaters!
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Hamburger Morgenpost
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Mozart trifft auf Captain Kirk
Durchgeknallte Inszenierung - "Die Zauberflöte" wird in den Weltraum gebeamt
Captain Kirk meets Mozart. Wer hätte gedacht, dass die "Zauberflöte" auf ihre alten Tage noch einmal in den Weltraum gebeamt werden würde? Im Opernloft des Jungen Musiktheaters inszeniert Inken Rahardt Mozarts letztes Bühnenstück mit nur vier Darstellern. Die allerdings bringen so viel Temperament, Wandlungsfähigkeit und sängerisches Können mit, dass man auf die Rollenverteilung des Originals gut verzichten kann.
Wir schreiben das Jahr 2229. Die Abwrackprämie ist dunkle Vergangenheit. Sonst hätten Tamino (Johannes Lehner), Alfa (Lisa Jackson) und Zeta (Felicitas Breest) ihr klappriges Raumschiff wohl schon längst verschrottet. Doch die Reparaturen im Off geben den Darstellern Zeit, in ihre nächste Rolle zu schlüpfen. Tamino mutiert zum grünen Weltraummonster Monostatos, die taffe Technikerin Alfa verwandelt sich in die unbedarfte Pamina, während Zicke Zeta plötzlich als Königin der Nacht ihre grandiose Arie schmettert. Geradezu hinreißend singt Soomi Hong das liebestolle Vogelmännchen Papageno. Und auch bei ihrem Auftritt als schwertschwingender Sarastro hat sie die Lacher auf ihrer Seite.
Eine Weltraumoper in bester B-Movie-Manier, bei der natürlich die entscheidenden Requisiten nicht fehlen. Als Funkgerät fungieren Bügeleisen und Duschkopf, und wenn Tamino nach einer Hechtrolle seinen Machtstrahl aktiviert, surrt ein Akkuschrauber mit Goldfransen. Dank des treffsicheren Wortwitzes, der hoch motivierten Sänger und Musiker und der einfallsreichen Regie driftet diese Inszenierung niemals ins Banale ab.
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NDR 90,3
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Mozarts Zauberflöte gehört zu den beliebtesten und meistgespielten Opern der Welt – aber wie sie am Hamburger Opernloft präsentiert wird – das ist vermutlich einmalig. Die Prinzipalin der kleinen Wandsbeker Oper, Inken Rahardt, inszenierte das Werk nämlich als Weltraum-Drama. Ort der Handlung ist eine Raumkapsel. Elisabeth Burchhardt ist mitgeflogen – sie war bei der Premiere. Drei Besatzungsmitglieder hat das Raumschiif, als da wären: Kapitän Tamino und zwei hübsche Damen in engen schwarzen Kostümen, genannt Alpha und Zeta. Die eine lenkt, die andere schaltet, und immer wieder erhebt sich jemand aus seinem aerodynamischen Sitz. Um nachzusehen, womit das Raumschiff denn diesmal wieder zusammengestoßen ist. Es fliegt eine Menge Müll im All herum –außerdem manch komischer Vogel- Papageno zum Beispiel, der hier von einer Frau gesungen wird.
Dieser moderne Papageno ist auf der verzweifelten Suche nach einem Weibchen. Und in Sachen Frauen ist auch Tamino unterwegs, er erhält via Lautsprecher Befehle von der Königin der Nacht: Er soll ihre entführte Tochter Pamina befreien.
Ein originelles, witziges Konzept ist das, es wurde von der Leiterin des Hauses, von Inken Rahardt, schnell und humorvoll umgesetzt. Auf die zugegeben – seltsame Raumschiff-Idee kam die junge Frau aus einem einfachen Grund: Tatsächlich wurde eine Aufnahme der Zauberflöte via Raumsonde ins All geschickt, eine Nachricht an fremde Lebewesen und unbekannte Kulturen.
Man merkt, dass ganze Ensemble Spaß an der Sache hat, die schnittigen Kostüme stehen den vier Sängerinnen und Sängern gut, die grellbunten Perücken auch, und das Raumschiff, das gurgelt und raucht – das macht Freude. Aber das Ensemble ist auch noch gesanglich gut. Allen voran Felicitas Breest mit ihrer herrlichen glockenhellen Stimme. Sie ist unter anderem die Königin der Nacht. Begeisterten Zwischenapplaus gabs für diese Arie. Und überhaupt- war das Publikum sehr einverstanden mit der ungewöhnlichen Inszenierung..
Am Ende gabs auch noch das erwartete Happyend- der merkwürdige Vogelmann Papageno trifft auf eine bezaubernde Vogel-Dame- und die beiden bemühen sich fortan, viele bunte Vogeleier zu produzieren. Das ist herrlich albern und sehr charmant. Es gab Bravos und langen Applaus.
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Kultura-Extra
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Wir schreiben das Jahr 2229. Die Fahranfänger Zeta, Alfa und Tamino jetten mit einem veralteten Raumschiff durchs Weltall und kollidieren in regelmäßigen Abständen mit im Universum herumfliegenden Weltraummüll. Als Tamino sich nicht davon abhalten lässt, die aus einem der Müllsäcke gefischte, futuristische Zauberflöte auszuprobieren, gerät die Crew in einen Zauberflöten-Wirbel. Regisseurin Inken Rahardt aus dem Hamburger OPERNLOFT gibt der wohl berühmtesten Oper einen völlig neuen Anstrich. Vier junge Darsteller, von denen zwei aus Südkorea und den USA stammen, befördern Mozarts „Zauberflöte“ in die Zukunft. Dass sich die Handlung der Komposition auch mit sieben Charakteren aus der Oper und zwei frei erfundenen wunderbar darstellen lässt, zeigt diese 90-minütige Inszenierung. Zur Handlung: Nach einer Notlandung begegnen die Erdlinge dem eigenartigen Vogelmenschen Papageno, der als letzter seiner Art auf der verzweifelten Suche nach einem Weibchen ist. Plötzlich erscheint die machthungrige Königin der Nacht und fordert die Eindringlinge auf, ihre Tochter Pamina aus den Fängen ihres Vaters Sarastro zu befreien. Eine liebestolle Reise durch das Weltall beginnt. Frivol, provokant und mit einer ganz eigenen Art von Sexappeal haben es die Opernsänger auf die Lachmuskeln der Zuschauer abgesehen, liefern aber gleichzeitig eine hervorragende Gesangsdarbietung. Laut Bühnenbild werden Akkubohrer in der Zukunft zu unheimlich coolen „Machtblitzen“ und Staubsauger zu High-Tech-Gewehren umfunktioniert. Eine erfrischend neuartige Produktion.
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Hamburger Abendblatt
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Krieg der Welten - ganz frei nach Mozart
Wo bleibt das Bügeleisen? Diese Frage drängte sich jedem Raumschiff-Orion-erfahrenen Opernbesucher auf, der zur Premiere der "Zauberflöte" ins Opernloft gekommen war. Im Science-Fiction-Gewand mit einem Hamsterrad als Steuerungseinheit für den "Delta Deflektor" und einem Brausekopf als Gashebel erzählte Regisseurin Inken Rahardt die Geschichte vom intergalaktischen Krieg zwischen der Königin der Nacht und Sarastro, dem Herrscher über drei Sonnenringe. Frei nach Schikaneder und Mozart.
Rahardts Inszenierung lebt dabei von der Lust an der Parodie und dem Spiel mit Zitaten: Star-Wars-Einlagen und das Bügeleisen, das als Bordsprechanlage schließlich doch noch zum Einsatz kommt, inbegriffen. Eingewoben in die Parodie sind Details zur Geschichte der "Zauberflöte" und pädagogisch wertvolle Überlegungen zur Frage, ob Jungs wirklich cooler sind als Mädels. Wie im Opernloft üblich spielen nur vier Akteure in wechselnden Rollen: Der größte Spagat gelingt Soomi Hong, die im fliegenden Wechsel den staatstragenden Sarastro und einen ängstlichen Papageno gibt. Lisa Jacksons Pamina ist erheblich koketter und der Tamino von Johannes Lehner deutlich schlichter als man sich dies bilderbuchbrave Liebespaar vorstellt. Nur Felicitas Breest zickt als Königin der Nacht wie gewohnt und schwingt dazu eine männermordende Sichel, die ihr das Laserschwert ersetzt.
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Hamburger Abendblatt
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Exotisches Eifersuchtsdrama als unterhaltsames Singspiel
Ein Opernhaus für Kinder, Jugendliche und Operneinsteiger will das Junge Musiktheater Hamburg nach eigenem Anspruch sein. Dies - und in guten Momenten ein kleines bisschen mehr - ist dem Team um die Regisseurin Inken Rahardt auch mit der Adaption von Bizets "Die Perlenfischer" wieder gelungen, die am Freitag im Opernloft Premiere hatte. Mit frecher Unbefangenheit, die aus wahrer Liebe zur Sache kommt, hat Rahardt aus Bizets dreiaktigem, exotisch angehauchtem Eifersuchtsdrama ein unterhaltsames Singspiel im Urlauber-Milieu gemacht. Die Handlung wurde vom historischen Ceylon in einen modernen Beach-Club auf den Malediven verlegt. Aus dem Freundespaar, das in Bizets Original um die Liebe einer Frau konkurriert, macht Rahardt zwei scheinverliebte Eheleute, die sich pikanterweise beide in dieselbe Inselschönheit verknallen. Die aktualisierte Kurzfassung kommt auf weiten Strecken im Volksbühnentonfall daher, wobei Opernpathos und Ballermannmentalität gleichermaßen auf die Schippe genommen werden. In besonders geglückten Momenten wie dem Liebesduett von Leila (Karina Schmidt) und Nadine (Simone Umland) gelingen Rahardt aber auch parodiefreie Szenen von echter Intensität. Hier hätte sich die Taschenfassung um ein Haar zur großen Oper aufgeschwungen - wenn die Stimmen getragen hätten. Darstellerisch lieferte das Ensemble eine geschlossen gute Leistung; sängerisch überzeugt uneingeschränkt nur Feline Knabe in der Rolle der durchgeknallten und latent zynischen Clubanimateurin Nora.
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KulturaExtra.de
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Welches Inselparadies eignet sich besser zum Heiraten als die Malediven? Diese (rhetorische) Frage stellen sich auch Nadine und ihr Ehemann Zurga und fahren fünf Jahre nach ihrem Ehegelöbnis zurück auf die Trauminseln, um ihren Schwur zu erneuern. Ihr Club-Urlaub, mit drolliger Animation und Strandpartys, verspricht ein voller Erfolg zu werden - bis das Ehepaar der Insulanerin Leila begegnet.
Die arbeitet als Tänzerin und Sängerin im Ferienclub und verzaubert mit ihrer Schönheit und Anmut sowohl Zurga als auch Nadine. Leila verliebt sich sofort, obwohl sie sich geschworen hat, sich niemals auf Touristen einzulassen - allerdings nicht in Zurga, dem sie eine Absage erteilt, sondern in dessen Frau Nadine, die sich schlechten Gewissens auf das berauschende Abenteuer mit Leila einlässt. Zurga trifft der Schlag, als er feststellen muss, dass er die schöne Insulanerin nicht für sich gewinnen kann und auch noch seine Ehefrau Nadine an sie zu verlieren droht.
Am Ende muss sich Nadine entscheiden: Gibt sie ihrem Herzen nach, das sich so sehr nach der Liebe zu Leila sehnt, und wagt sie einen Neuanfang auf den Malediven oder kehrt sie mit ihrem Mann zu Normalität und nach Hause zurück? Und: Hat sie überhaupt eine Wahl?
Die 90-minütige Produktion „Die Perlenfischer“ des Hamburger Opernlofts unterscheidet sich oberflächlich stark von der Originalfassung George Bizets, erzeugt aber mindestens genauso überzeugend eine Atmosphäre aus exotischem Urlaubsflair, quälender Eifersucht, Herzschmerz und leidenschaftlicher Liebe.
Besonders hervorzuheben ist, dass durch den Aspekt, dass Leilas Liebe eine Frau ist, sich zwei herrliche Frauenstimmen zu Duetten vereinen, die unter die Haut gehen. Bühnenbild, Perlenfischer-Cocktails und aufreizende Kostümierung runden den exotischen Abend ab und bringen die Malediven nach Hamburg. Die perfekte Oper für heiße Sommertage!
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Hamburger Morgenpost
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Wagners Heldendrama im Pyjama
Hektik im Hochbett. Schulmädchen Vero (Veronika Fried) soll ein Referat über Wagners "Ring des Nibelungen" schreiben. Ihre drei Freundinnen sind ratlos: "Was für'n Ring?" Pisa hin oder her - hier muss der größte deutsche Opernstoff offenbar noch einmal gründlich aufgearbeitet werden. Und die Besucher im Opernloft des Jungen Musiktheaters freut es. Denn mal ehrlich: Wer kennt sich schon aus in Wagners Wirrungen um das verfluchte Rheingold, die locker 16 Bühnenstunden füllen?
Zwei Damen ganz bestimmt: Susann Oberacker und Inken Rahardt. Sie haben die 90-minütige Operabreve-Fassung erstellt, die unter Rahardts Regie zu einem flotten Vierer der Sangeskunst gedeiht. Denn die Girlies gehen es praktisch an: Claudi (Claudia Christiane Goldbach) übernimmt die Rolle des hinterlistigen Zwergs Alberich. Dani (Daniela Pech) findet gegenüber Vero ein schlagendes Argument, den Wotan zu mimen ("Du bist zu mickrig für einen Gott"), während Simi (Simone Umland) mit Hilfe des schlauen Buchs "Oper für Dummies" die Handlung rekonstruiert und als tapferer Siegfried das magische (Laser-)Schwert Nothung führt. Der Walkürenritt findet auf dem Damenfahrrad statt, und wenn Vero als Waldvogel die ersten Flugversuche macht, ist das zum Piepen komisch.
Unter der musikalischen Leitung von Markus Bruker (Klavier) mit Daniel Thieme und Elen Harutyunyan an den Violinen präsentieren sich die vier Darstellerinnen in sanglicher und komödiantischer Höchstform. Dieses Heldendrama im Pyjama sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen!
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Hamburger Abendblatt
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Das Ringlein des Nibelungen: Wagner in nur 90 Minuten
Lange vor der Uraufführung hatte Richard Wagner seinen "Ring des Nibelungen" im privaten Kreis vorgestellt. Dort brillierte der Meister als theatralisches Universaltalent, das von der Brünhilde, übers Waldvöglein bis zu Wotan sämtliche Partien selbst sang, sich am Klavier begeleitete und dabei eine Mordsgaudi gehabt haben soll. Diese Zeiten sind leider vorbei, der "Ring" ist als weihevolles Weltendrama längst in höchste Hochkultursphären entrückt. Doch um eine Ahnung vom Geist der ersten Privataufführungen zu erhaschen, empfiehlt sich die Version vom Jungen Musiktheater Hamburg, die am Freitag im Opernloft Premiere hatte.
Regisseurin Inken Rahardt verlegt noch konsequenter als ihr Kollege Claus Guth die gesamte Handlung ins Kinderzimmer. In nur 90 Minuten erschließen sich hier vier Backfische die "Ring"-Welt, indem sie singend, lesend und erzählend in wechselnden Rollen das Drama mit Bordmitteln zum Leben erwecken. Der Hula-Hoop-Reifen wird zum Nibelungen-Ring, Siegfried schleift sein Schwert an einem Fahrradreifen, das Puppenheim von Ken und Barbie ersetzt Walhall.
Spannender als das Umfunktionieren von Kinderzimmerrequisiten ist allerdings die Verwandlung von Kindercharakteren in Figuren der Weltliteratur: Aus der frechen Vero, glänzend gespielt und gesungen von Veronika Fried, wird zwanglos eine rebellische Walküre. Simone Umland verkörpert in den Rollen von Simi, Siegmund und Siegfried drei Inkarnationen des etwas schlichten, blonden, germanischen Sonnenhelden. Und Klein-Wotan, alias Dani, kann man sich in der Version von Daniela Pech ohne Weiteres als oberschlauen Möchtegern-Bandenführer vorstellen. Etwas zu kurz kommt dabei leider die Musik, die ebenfalls aus Bordmitteln, einem Flügel und zwei Streichen, bestritten wird. Der Kernidee aber tut dies keinen Abbruch: Das Kinderzimmerdrama spiegelt die Welt der Großen, so wie Wagners 16-Stunden-Tetralogie Aufstieg und Fall eines ganzen Zeitalters verdichtet. Mit dieser Version spart man 14,5 Stunden, erfährt dennoch, worum es im "Ring" geht, und unterhält sich bestens.
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Hamburger Morgenpost
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Diese Intrigen machen Spaß!
Werfen Sie alles über Bord, was sie von der Oper wissen. Und wenn Sie nichts wissen - umso besser! Denn im neuen Opernloft des Jungen Musiktheaters bedeutet Oper vor allem eines: ganz unvoreingenommen Spaß zu haben. Und den hat man auch bei Otto Nicolais "Die lustigen Weiber von Windsor".
Regisseurin Inken Rahardt hat nicht nur ein versiertes Händchen für treffsichere Situationskomik, sondern in ihre zusammen mit Susann Oberacker erstellte Textvorlage auch gleich eine hübsche Portion Musikgeschichte eingewoben.
So erfahren wir bei diesem Verwirrspiel rund um den schmierigen Möchtegern-Frauenhelden Falstaff auch gleich etwas über die Entstehung des Stücks und über die Frauengeschichten des Komponisten. Zu diesem Zweck schlüpfen die vier Sänger mal kurz aus ihren Rollen heraus - Handlungsbruch mit Bildungswert.
Und die Handlung selbst? Jennifer Rödel und Feline Knabe schmieden mit Wut und Witz sangeskräftige Intrigen. Wilhelm Adam wird als eifersüchtiger Ehemann an der Nase herumgeführt, während Alexander Schattenbergs possenreiches Spiel mit Hirschgeweih keine Zweifel an seinem Falstaff aufkommen lässt: Hier tönt ein voller Bass aus hohlem Geist.
Mit nur drei Musikern - Markus Bruker am Klavier, Tim Beger an der Klarinette und Eduard Mnatsakanov am Cello - und einer Spiellänge von nur 90 Minuten beweist diese Inszenierung, dass wenig auch mal ganz schön viel sein kann.
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Hamburger Abendblatt
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Unterhaltsame Weiber im Opernloft
Kaum sind im renovierten Eilbeker Opernloft die Sektkorken der Eröffnung eingesammelt, geht es opernmäßig los. Otto Nicolais "Lustige Weiber von Windsor" boten dem Jungen Musiktheater Hamburg Anlass, die neue Bühne musikalisch-spielerisch in Besitz zu nehmen. Ihrem Konzept folgend, Opern laiengerecht aufzubereiten, hatten Regisseurin Inken Rahardt und Dramaturgin Susann Oberacker das Singspiel auf 90 Minuten, das Orchester auf eine Drei-Mann-Kapelle eingedampft und die Handlung in ein Büro verlegt. Doch während der letzte Schachzug unterhaltsame Realitätsnähe im Stile von TV-Bürohengst Stromberg schuf, bewirkte der erste einen Mangel an Komplexität und Tiefgang. Schade, denn das gut gelaunte vierköpfige Ensemble, das sieben Rollen absolvierte, konnte sich sehen und hören lassen. Insbesondere die "Weiber" Jennifer Rödel und Feline Knabe überzeugten gesanglich und, als zickige Sekretärinnen, auch schauspielerisch. Die Balance zwischen Anspruch, professionellem Niveau und selbstironischem Kleinkunstcharme stimmt. Ein wenig aber muss das Junge Musiktheater sein eher braves Publikum noch auftauen. Der lang anhaltende Beifall war Indiz dafür, dass es auf dem richtigen Wege ist.
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Hamburger Abendblatt
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Operngenuss im kleinen Rahmen
Wer sich (noch) nicht ins große Haus an der Dammtorstraße traut, kann Operngenuss ja mal im kleinen Rahmen bei Wein und Brezel ausprobieren - im Opernloft in der Nähe der U-Bahn-Station Wartenau. Händels "Tolomeo" als Opera breve (kurze Oper) steht auf dem Programm - ein Stück über die Gegensätze Pflicht und Neigung, über Liebeswirren und einen heftigen Mutter-Sohn-Konflikt. Von Opernloft-Mitbetreiberin Inken Rahardt ganz jetztzeitig und leicht verstehbar zugerichtet; im Zentrum steht eine Familienfirma, die Lieblingssohn Alessandro übernehmen soll, während Tolomeo Maler werden will. Farben spielen also eine große Rolle - sie erobern Bühne, Kostüme und die Sänger mit Haut und Haaren. Ein sinnliches Vergnügen, zu dem die ausgewählten Arien von Tolomeo (Soomi Hong), Alessandro (Counter-Tenor Armin Stein), Elisa (Lisa Jackson) und Seleuce (Lotta Hultmark) in hoher Gesangsqualität beitragen. Von einem Kammermusik-Trio unterstützt ist Händels Musik im kleinen Raum vollkommen präsent.
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Hamburger Morgenpost
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Schlacht der Farben
Händel-Oper "Tolomeo" erstmals in Hamburg, eingedampft auf zwei Stunden
Mal ehrlich: Wer hat denn heute noch die Geduld, sich vierstündige Opern mit antiker Thematik anzusehen? Die Frage stellte sich auch das Opernloft bei Händels "Tolomeo" - und dampfte als Antwort alles aufs Nötigste ein. Dahinter steckt das löbliche Anliegen, Oper vor allem für ein jüngeres Publikum zugänglicher zu machen.
Und das mag's bekanntlich bunt. Dem kommt Regisseurin Inken Rahardt entgegen und schickt die vier Darsteller mit Farbtuben auf die Bühne. Denn sowohl im Original als auch in der Fassung des Jungen Musiktheaters malt Tolomeo (Soomi Hong) lieber Bilder, statt als ältester Sohn die Macht zu übernehmen. Zur Freude des jüngeren Bruder Alessandro (Armin Stein), denn "Mamas Liebling" leitet den Familienbetrieb. Am Ende sind die Brüder ein Herz und eine Seele - auch wenn die brave Seleuce (Lotta Hultmark) und die verführerische Elisa (Lisa Jackson) für einige Verwirrung sorgen.
Neben Händels großartigen Koloraturen, bei denen besonders die Soprane hervorstachen, gab es humoristische Pädagogik, die zum Beispiel über Kastraten und "Hosenrollen" aufklärte. Bei so viel Crossover durfte in dieser zweistündigen Farbschlacht neben Klavier, Geige und Cello die E-Gitarre am Ende nicht fehlen.
Fazit: Ein Konzept, das aufgeht: Das Publikum tobte vor Begeisterung!
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„Zauberflötchen“ will Kinder verzaubern
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Eine Kinderoper zieht ihre Kreise – nun auch in Celle. "Das Zauberflötchen" soll beim jungen Publikum das ästhetische Bewusstein schon früh wecken. Dafür setzen sich die Schauspieler vom Opernloft Hamburg ein. CELLE-NEUENHÄUSEN. Eine ganz ungewöhnliche Adaption von Mozarts „Zauberflöte“ kommt am 19. September nach Celle: „Das Zauberflötchen“ vom Opernloft Hamburg. Seit acht Jahren wagt das hanseatische Theaterensemble bereits das Experiment mit Kinderopern. In Hamburg ist es geglückt, in Celle wird das Wagnis nun auch eingegangen. Doch Inken Rahardt, die das Stück inszeniert hat, ist dabei ganz zuversichtlich: „Es wird super bei den Kindern ankommen“, sagt sie über das 70-minütige Stück für Kinder ab fünf Jahren, in dem nur insgesamt vier Schauspieler auftreten werden. Rahardt gelang es, den komplexen Stoff der ursprünglichen Oper ganz kindgerecht und leicht verständlich zu gestalten. „Kinder können unvoreingenommen Spaß daran haben. Sie werden die Oper nicht mit Mozarts Original vergleichen, wie es Erwachsene tun würden“, so Rahardt. „Gleichzeitig können sie so aber auch an ihre erste Oper herangeführt werden.“ Die Theaterspezialistin ist der Meinung, dass Kinder schon viel früher mit Theater und Oper in Verbindung gebracht werden sollten. „Bereits im Kindergarten müsste man damit anfangen, das ästhetische Bewusstsein zu prägen.“ Musik und Theater seien hervorragende Mittel, um zu lernen, die eigene Welt zu reflektieren und mit Abstraktem umzugehen. „Kinder gehen mit Abstraktem wesentlich besser um, als Erwachsene“, sagt die Expertin. „Sie sind nicht so verbildet.“ Die Kerngeschichte der Mozart-Oper ist in der Inszenierung zwar erhalten geblieben, aber deutlich entschlackt worden – der Rest frei erfunden. Ganz bewusst wählte Rahardt den Weltall als Schauplatz, um besonders auch die Jungen zu erreichen und das Märchenhafte nicht zu kitschig werden zu lassen. „Die ganze Zauberflöte wäre zu viel für Kinder und tot langweilig. In unserer Fassung geht es um Gut und Böse, Jungen und Mädchen, Mut, Coolness und wer die meiste Peilung hat“, listet Rahardt auf. Die Kinder dürften dabei nicht über-, aber auch nicht unterfordert werden. „Es ist gut, wenn nicht alle Fragen am Ende beantwortet werden, dann werden sie nämlich von dem jungen Publikum danach gestellt – und schon setzen Kinder sich mit Opern auseinander“, erklärt Rahardt.
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Hamburger Morgenpost
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Diese Oper macht auch den Kleinsten Spaß Das Zuschauen und Zuhören lohnt sich - für alle Altersklassen
Klimaerwärmung? Iwo! Bei Eskimo-Mädchen Mauja (Yu Hong) ist die Welt noch in Ordnung. Das heißt: fast. Denn etwas einsam fühlt sie sich schon in ihrem Iglu. Der Wunder-Rabe Tulugaukuk schickt ihr Titania (Kristi Anna Isene), die "Prinzessin der Feen", die besonders schön singen kann und Jahreszeiten kennt, von denen Mauja noch nie gehört hat. Nur bei den vielen Bezeichnungen für Schnee bewegt die Super-Nanny aus dem Feenland sich auf dünnem Eis. So können beide voneinander lernen - und die kleinen Zuschauer, dass klassische "Erwachsenenmusik" auch für sie prima funktioniert, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Und das ist im Opernloft eindeutig der Fall: Regisseurin Inken Rahardt und Dramaturgin Susann Oberacker haben aus Henry Purcells Barock-Oper "The Fairy Queen" eine anrührende Geschichte für Zuschauer ab 3 Jahren gesponnen. "Schau und mach dich schlau!" fordert Titania ihre Freundin auf. Aber nicht nur das Schauen, auch das Hören lohnt sich hier für alle Altersklassen.
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Kultura Extra
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Gerade hat sich das Inuit-Mädchen Mauja ein hübsches Iglu aus Schnee gebaut. Doch alleine macht ihr das Spielen keinen Spaß, sodass sie den gottgleichen Raben Tulugaukuk um eine Freundin bittet.
Da kommt auch schon aus dem fernen Land der Feen die knallbunte, glitzernde Feenprinzessin Titania auf ihrem ebenfalls knallbunten, glitzernden „Firlefant“ angeflogen. Mauja (Yu Hong) und Titania (Kristi Anna Isene) freunden sich schnell an und erzählen sich singend von ihren sehr unterschiedlichen Welten. Während Mauja viel über Schnee und Winter zu berichten weiß, erklärt Titania dem kleinen Mädchen die vier Jahreszeiten. Und für Mauja ist jede dieser vier Jahreszeiten irgendwie die schönste von allen.
Der englische Komponist Purcell feiert dieses Jahr seinen 350. Geburtstag. Das nimmt sich das Hamburger Opernloft zum Grund, die Kinderoper „Die Prinzessin der Feen” (The Fairy Queen) für Kinder ab drei Jahren auf die Bühne zu bringen. Die Handlung stammt aus Shakespeares „Sommernachtstraum“. Die einfache und liebevolle Inszenierung wird durch eine Pause in zwei ca. 25-minütige Blöcke unterteilt. Direkt vor der Bühne liegen große Sitzkissen. Wer möchte, kann die Oper so aus nächster Nähe miterleben.
Die beiden Darstellerinnen Mauja und Titania führen anhand von leichten Sing- und Sprechtexten selbst die Kleinsten an die Oper heran. Trotz Herumtobens auf der Bühne überzeugen Mauja und Titania mit ihrer gesanglichen und schauspielerischen Darbietung. Bei der Premiere ließen sich einige Kinder so sehr von der Vorstellung begeistern, dass sie anfingen, zu Gesang und Klavier zu tanzen.
Ein bezauberndes Wintermärchen für Jung und Alt.
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SHZ
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Wenn Inken Rahardt über ihre Arbeit spricht, dürften so manch gestandenem Opernfan die Haare zu Berge stehen. Denn auf den ersten Blick scheint Rahardt der Oper gegenüber komplett respektlos. Das beginnt beim Umgang mit dem „Rohstoff“ Oper, also beim Werk, wie es einst Wagner, Mozart, Bizet und Konsorten in ihre Partituren geschrieben haben.
Rahardts Inszenierungen nämlich dürfen nie länger als 90 Minuten dauern. „Spielfilmlänge. Das sind die Leute gewohnt“, begründet die studierte Opernsängerin den harten Schnitt. 90 Minuten für einen Ring der Nibelungen (Original rund 15 Stunden), die Zauberflöte (zweieinhalb Stunden) oder Carmen (fast drei Stunden)? Und es endet beim Bühnenspiel selbst. Anstelle von großer Oper ist bei Rahardt Schauspiel á la Texttheater mit Gesang angesagt. „OperaBreve“ – nichts weiter als Instantoper für Kulturbanausen?
Der Anspruch jedenfalls ist ein anderer. Angefangen hat das Projekt der Hamburger Opernloft, sozusagen die kleine, flippige Schwester der Staatsoper, mit einem Tourneetheater speziell für Kinder. Rahardt ist mit ihrer Truppe in die Schulen gefahren, um den Kleinen große Musik in kindgerechter Aufbereitung näher zu bringen.
Vor anderthalb Jahren dann wurde die Loft eingerichtet. Schnell stellten die Opernmacher fest: Es kommen bei weitem nicht nur Kinder. Auch Erwachsene zeigten sich von der unkonventionellen Art, Oper auf die Bühne zu bringen, angetan. „Viele haben hier die Oper für sich entdeckt“, hat Rahardt beobachtet. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Yvonne Bernbom entwickelte die Regisseurin die Idee der Oper für Einsteiger.
„Die klassische Oper scheint in breiten Teilen der Bevölkerung negativ besetzt zu sein“, bemerkt Rahardt. Neben dem Sehen-und-gesehen-werden, das viele Menschen abschrecke und ihnen den Eindruck vermittle, es handle sich bei der Oper um eine Welt, in die sie nicht hineingehörten, sei da auch diese überholte Bühnenwelt: „Abgehalfterte Diven und unnatürliche Körperlichkeit; plus langatmige Inszenierungen“. Und dann glaubten viele auch, sie bräuchten erst einmal ein gewisses Maß an Grundbildung, um Oper überhaupt verstehen zu können.
Darum also Inszenierungen von maximal 90 Minuten Länge sowie Akteure, die nicht nur singen, sondern tatsächlich ihre Rollen auch spielen. Singender Weise. Und Hintergrundinformationen, die in das Stück mit eingeflochten werden. Wie zum Beispiel bei Carmen von George Bizet. Rahardt hat das Stück aus dem spanischen Sevilla in eine Schule verlegt. Im Unterricht wird die Oper durchgenommen, wobei sich die vier Akteure nur allzu schnell selbst in die Geschichte von Liebe, Eifersucht und unerwidertem Begehren. Dies sowie vier hervorragende Sänger, die zum Teil auch großartige und vor allem authentische Schauspieler sind plus einer Kammerbesetzung reicht, um in der Hamburger Opernloft Carmen auferstehen zu lassen. Und diesen Opernabend zu einem besonderen Erlebnis zu machen, bei dem jegliche Kürzung in Vergessenheit gerät und sämtliche Beteiligte durch ihr Können überzeugen. Dies ist Oper, die Spaß macht.
„Im Grunde hinkt die klassische Oper dem Sprechtheater um etwa 40 Jahre hinterher“ ist Rahardt überzeugt. Die OperaBreve nicht. Hier können sich die großen Häuser so manches abgucken. Und damit ist sie eines ganz gewiss nicht: Oper allein für Einsteiger.
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