Alle Fotos sind von Silke Heyer und unterliegen dem Copyright!
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Kritiken:
NDR 90,3
NDR 90,3
Im Opernloft in Wandsbek steht seit dem Wochenende eine der meistgespielten und beliebtesten Opern überhaupt auf dem Programm, ein Werk, mit dem Sängerinnen von Maria Callas bis Agnes Baltsa brilliert haben . CARMEN nämlich. Allerdings können Sie sicher sein: SO haben sie George Bizets Meisterwerk noch nie erlebt, so klein und so fein - und so kurz. 90 Minuten nur dauert die Inszenierung im kleinen Theater, ganze 4 Sängerinnen und Sänger treten auf -und sie werden begleitet von nur 3 Musikern.
Eine Klarinette, ein Saxophon und eine Geige- und fertig ist er, der Triumphmarsch.
Inken Rahardt hat diesmal selbst Regie geführt. Sie stellt ein klares, beherztes und knackiges Konzept vor: Ihre 90- Minuten Carmen spielt weder in Sevilla, noch in einer Zigarettenfabrik - sondern: in einer amerikanischen Schule. Carmen, Micaela und Escamillo sind extrem jung - Schüler eben.
Escamillo, dargestellt von Ulrich Bildstein, ist der Superstar seiner Schule. Nicht weil er Torero wäre, diesen Beruf gibt's hier natürlich nicht. Er ist Footballstar. Und Carmen - feuert ihn an.
Rahardt: "Das ist in allen Filmen so - der tollste Typ der Schule ist immer der Kaptiän vom Footballteam - und die tollste Frau ist Cheerleaderprinzessin. Und die sind auch immer zusammen...."
Die Hamburgerin Feline Knabe spielt die Carmen als aufmüpfiges und provozierendes Mädchen. Es zeigt viel Bein und Augenaufschlag - und zwar am liebsten, wenn ihr Referendar anwesend ist- Ein gewisser José.
Die Wandsbeker Kurzopern sind immer mit kleinen Erzählpassagen versehen, Exkurse, in denen die Zuschauer Wissenswertes zum Stück erfahren. Im Fall "Carmen" fügen sich die Texte besonders schlüssig in die Inszenierung - Referendar Jose prüft seine Schüler einfach ab, zum Thema George Bizet, zum Thema Libretto und zum Thema: Warum wird Carmen als die erste Volksoper bezeichnet.
"Weil sie nicht von Adligen handelt. Sondern von Normalos wie uns. Das war damals unüblich und hat die Leute sehr schockiert."
Gesungen wird ganz klassisch auf Französisch - doch die elektronische Schultafel auf der Bühne hilft vor allem dem Opernanfänger weiter, da leuchtet die deutsche Übersetzung auf. Doch zuweilen vergisst man einfach das Mitlesen. Dann zum Beispiel, wenn die wunderbare Jennifer Rödel auftritt, als zarte, und berührende Micaela.
Wieder einmal haben die beiden Hausherrinnen des Opernlofts, Inken Rahardt und Yvonne Bernbom gezeigt, dass auch mit kleinem Budget Großes Möglich ist.
Kultura-Extra
Carmen blickt herausfordernd ins Publikum und fährt sich lasziv mit ihren Händen über den schlanken Körper und durch die vollen, blonden Haare. Aus ihrem Dekolleté zaubert sie einen kleinen, roten Lutscher hervor, den sie genüsslich ableckt. Bevor die Aufführung beginnt, zupft sie noch einmal an ihrem kurzen Schuluniform-Röckchen, das dadurch noch ein Stückchen höher rutscht.
Die Direktorin des OPERNLOFT in Hamburg, Inken Rahardt, versetzt die Handlung der Oper „Carmen“ von George Bizet im Rahmen der OperaBreve in die heutige Zeit und verwandelt die spanische Zigeunerin Carmen in eine begehrte und vor Selbstbewusstsein strotzende High-School-Queen, die in ihrer Launenhaftigkeit wahlweise mit Schulbüchern, Tarot-Karten oder auch mal Stühlen um sich wirft.
Hals über Kopf verliebt sich das temperamentvolle Schulmädchen in den Musikreferendar José (Wilhelm Adam), was die schüchterne Mitschülerin Michaela (Jennifer Rödel), die sich schon mit José vor dem Altar sieht, mit größtem Missfallen beobachtet. Die schöne Carmen (Feline Knabe) setzt all ihre Verführungskünste ein, um Josés Herz für sich zu gewinnen – mit Erfolg. Doch als
sie sich Josés Liebe sicher sein kann, verfliegt ihr Interesse an dem angehenden Lehrer, der sogar seinen Job für Carmen aufgeben will. Voller Eifersucht muss er mit ansehen, wie sich Carmen an den coolsten Jungen der Schule, den Football-Star Escamillo (Ulrich Bildstein), ranschmeißt und die beiden ein Paar werden. Als José Carmen verzweifelt bittet, ihrer Liebe noch eine Chance zu geben, lacht sie ihn verspottend aus – und die Situation eskaliert.
Die 90-minütige Inszenierung von Carmen ist erfrischend anders – denn wie oft hat man Gelegenheit, die weltberühmte Arie „Si tu m’aime“ von einer sich auf einem Footballfeld im knappen, bauchfreien Cheerleader-Dress räkelnden Blondine und auch noch stimmlich einwandfrei zu hören?
Wer kein Französisch kann, muss übrigens nicht verzweifeln: Während der Aufführung wird auf der Bühne der deutsche Untertitel eingeblendet. So muss nicht einmal vorher der Inhalt der Oper studiert werden, um dem Geschehen folgen zu können. Wieder einmal eine absolut gelungene und sehenswerte Produktion des Jungen Musiktheaters!
Hamburger Morgenpost
Heiß!
Bizet-Oper im Lolita-Look
Kurzes Röckchen und lustvolles Lolli-Lutschen - das Junge Musiktheater präsentiert eine Carmen im Lolita-Look.
Und damit auch alle wissen, worum es geht, beginnt Inken Rahardts Inszenierung von Bizets Oper mit Frontalunterricht. Cheerleader Carmen (Feline Knabe) drückt mit Mauerblümchen Micaela (Jennifer Rödel) und Football-Hengst Escamillo (Ulrich Bildstein) die Schulbank. Referendar José (Wilhelm Adam) versucht vergebens, sie für "Carmen" zu interessieren.
Aber die moderne Pädagogik hat Mittel und Wege: Frei nach dem Motto "learning by doing" spielt man die Oper kurzerhand durch.
In nur 90 Minuten, reduziert auf vier Sänger und drei Musiker, räumt dieses "Carmen"-Konzentrat auf mit jeder kastagnettenklappernden Koketterie. Stattdessen treibt die postpubertäre Erotik José so weit, dass er seine geliebte Carmen am Ende auf dem Sportfeld mit einer Eckfahnenstange erdolcht. Trash statt Texttreue - aber auch so macht Oper Spaß.
Kurzer Abend, kürzere Röcke, langer Applaus.














