Inken Rahardt - Opernregisseurin und Autorin

Die lustigen Weiber von Windsor

Alle Fotos sind von Silke Heyer und unterliegen dem Copyright!

Kritiken

Hamburger Morgenpost

Diese Intrigen machen Spaß!

Werfen Sie alles über Bord, was sie von der Oper wissen. Und wenn Sie nichts wissen - umso besser! Denn im neuen Opernloft des Jungen Musiktheaters bedeutet Oper vor allem eines: ganz unvoreingenommen Spaß zu haben. Und den hat man auch bei Otto Nicolais "Die lustigen Weiber von Windsor".

Regisseurin Inken Rahardt hat nicht nur ein versiertes Händchen für treffsichere Situationskomik, sondern in ihre zusammen mit Susann Oberacker erstellte Textvorlage auch gleich eine hübsche Portion Musikgeschichte eingewoben.

So erfahren wir bei diesem Verwirrspiel rund um den schmierigen Möchtegern-Frauenhelden Falstaff auch gleich etwas über die Entstehung des Stücks und über die Frauengeschichten des Komponisten. Zu diesem Zweck schlüpfen die vier Sänger mal kurz aus ihren Rollen heraus - Handlungsbruch mit Bildungswert.

Und die Handlung selbst? Jennifer Rödel und Feline Knabe schmieden mit Wut und Witz sangeskräftige Intrigen. Wilhelm Adam wird als eifersüchtiger Ehemann an der Nase herumgeführt, während Alexander Schattenbergs possenreiches Spiel mit Hirschgeweih keine Zweifel an seinem Falstaff aufkommen lässt: Hier tönt ein voller Bass aus hohlem Geist.

Mit nur drei Musikern - Markus Bruker am Klavier, Tim Beger an der Klarinette und Eduard Mnatsakanov am Cello - und einer Spiellänge von nur 90 Minuten beweist diese Inszenierung, dass wenig auch mal ganz schön viel sein kann.

Hamburger Abendblatt

Unterhaltsame Weiber im Opernloft

Kaum sind im renovierten Eilbeker Opernloft die Sektkorken der Eröffnung eingesammelt, geht es opernmäßig los. Otto Nicolais "Lustige Weiber von Windsor" boten dem Jungen Musiktheater Hamburg Anlass, die neue Bühne musikalisch-spielerisch in Besitz zu nehmen.
Ihrem Konzept folgend, Opern laiengerecht aufzubereiten, hatten Regisseurin Inken Rahardt und Dramaturgin Susann Oberacker das Singspiel auf 90 Minuten, das Orchester auf eine Drei-Mann-Kapelle eingedampft und die Handlung in ein Büro verlegt. Doch während der letzte Schachzug unterhaltsame Realitätsnähe im Stile von TV-Bürohengst Stromberg schuf, bewirkte der erste einen Mangel an Komplexität und Tiefgang. Schade, denn das gut gelaunte vierköpfige Ensemble, das sieben Rollen absolvierte, konnte sich sehen und hören lassen. Insbesondere die "Weiber" Jennifer Rödel und Feline Knabe überzeugten gesanglich und, als zickige Sekretärinnen, auch schauspielerisch. Die Balance zwischen Anspruch, professionellem Niveau und selbstironischem Kleinkunstcharme stimmt. Ein wenig aber muss das Junge Musiktheater sein eher braves Publikum noch auftauen. Der lang anhaltende Beifall war Indiz dafür, dass es auf dem richtigen Wege ist.