Inken Rahardt - Opernregisseurin und Autorin

Tolomeo

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Kritiken

Kultura Extra



Kultura-Extra

Klassik meets Bodypainting

Eimerweise Farbe, vier Darsteller und ein kleines Ensemble aus Violine, Cello, Gitarre und Klavier: So sieht die OperaBreve-Inszenierung des „Tolomeo“ im Hamburger Opernloft aus. Und die ist in jeder Hinsicht einzigartig.

Zur Geschichte der eher unbekannten Oper des Komponisten Georg Friedrich Händel: Die ägyptische Königin Kleopatra III. hat zwei Söhne. Der jüngere Alessandro erfüllt die Wünsche seiner Mutter perfekt: Als fleißiger Kaufmann läuft er seinem großen Bruder Tolomeo, dem träumerischen Künstler, den Rang um die Gunst ihrer Mutter ab. Der tadellose Alessandro will die ebenso tadellose Seleuce zur Frau nehmen. Die jedoch verliebt sich in den „gefühlsechteren“ Tolomeo und verlässt Alessandro. Und dann ist da noch Elisa, die unnachgiebige Ex-Geliebte von Tolomeo, den sie um jeden Preis zurück will.

Das Opernloft verlegt die Geschichte um das Spannungsfeld zwischen Selbstaufgabe und Selbstverwirklichung in die heutige Zeit: Alessandro ist der tüchtige und erfolgreiche Geschäftsmann, der die Firma der Mutter führt - Tolomeo hingegen der freiheitsliebende Maler, der sich nicht den gesellschaftlichen Normen beugt. Dennoch bezuschusst ihn die Mutter, aus Angst um den guten Ruf der Familie. Damit ist Alessandro ganz und gar nicht einverstanden. Ebenso wenig wie damit, dass Tolomeo ihm die Verlobte ausspannt.

In Händels Original sangen ausschließlich Kastraten und Frauen. Im Opernloft singt Mezzospranistin Soomi Hong den Tolomeo und Countertenor Armin Stein den Alessandro. Im unterhaltsamen Stil der OperaBreve erklären die Darsteller unter anderem, was ein Countertenor ist und warum Händel einmal eine Pauke nach seinem ersten Geiger warf.

Neben Hong und Stein schlittern die herrlichen Sopranistinnen Lisa Jackson als Elisa und Lotta Hultmark als Seleuce während der Aufführung in BH, Rock und Negligé über die farbgetränkte Bühne. Die stellt nämlich ein riesiges Gemälde dar, auf der die Sänger ihre jeweiligen Emotionen und Handlungen ausdrücken.

Regisseurin Inken Rahardt brachte die Oper „Tolomeo“ zum 250. Todestag von Georg Friedrich Händel erstmalig auf die Bühne nach Hamburg - aufgrund der Unbekanntheit des Werkes ein Risiko. Und ein großes Glück für Hamburg, denn diese Inszenierung ist ein Genuss für Auge und Ohr!

Theatergemeinde Magazin

„Wie fandet ihr übrigens die Musik?„, fragt Seleuce. „Ziemlich barock„, antwortet Elisa. „Ich find die Musik gar nicht so barock„, erwidert Seleuce. „Ist sie ja auch nicht„, stellt Alessandro fest. Die drei, die hier fachsimpeln, sind Figuren aus Händels Oper „Tolomeo„. Dass sie fachsimpeln dürfen, ist dem Opernloft zu verdanken, dem Opernhaus für Einsteiger. Denn hier bekommen die Zuschauer zum Werk gleich die wichtigsten Hintergrundinformationen mitgeliefert.
„Tolomeo„ ist der Beitrag des Opernlofts zum Händel-Jahr. Die Geschichte spielt original im alten Ägypten. Regisseurin Inken Rahardt hat sie ins Heute verlegt. Im Mittelpunkt: zwei ungleiche Brüder – Tolomeo und Alessandro. Der eine ist Künstler, der andere Kaufmann. Der eine ist das „Schwarze Schaf„ der Familie, der andere „Mamas Liebling„.
Inken Rahardt hat für Händels transparente Musik eine klare Form gefunden. Ihre Inszenierung spielt auf einer schrägen Leinwand. Hier hat jede Figur ihre Farbe. Und die setzt sie ausdrucksstark ein. Das Blau von Tolomeo fließt ins Rot seiner Geliebten Seleuce. Das Grün von Alessandro vermengt sich beim Seitensprung mit dem Gelb von Elisa. Eine faszinierende Farben-Melange ergibt das – am Ende, an dem sich die Brüder nach dem Tod der Mutter versöhnen.
Ach ja: Warum ist „Tolomeo„ nicht so Barock? Alessandro: „Anders als bei italienischen Barockopern üblich, in denen dauernd irgendwelche fremden Mächte eingriffen, gab’s diesmal nur Menschen mit ihren Gefühlen. Ganz pur. Auch die Arien. Keine langen Vorspiele, keine instrumentale Gefühlsduselei – Konzentration auf die Stimme.„ Eben pur. Pur Händel.

Hamburger Abendblatt

Operngenuss im kleinen Rahmen

Wer sich (noch) nicht ins große Haus an der Dammtorstraße traut, kann Operngenuss ja mal im kleinen Rahmen bei Wein und Brezel ausprobieren - im Opernloft in der Nähe der U-Bahn-Station Wartenau. Händels "Tolomeo" als Opera breve (kurze Oper) steht auf dem Programm - ein Stück über die Gegensätze Pflicht und Neigung, über Liebeswirren und einen heftigen Mutter-Sohn-Konflikt. Von Opernloft-Mitbetreiberin Inken Rahardt ganz jetztzeitig und leicht verstehbar zugerichtet; im Zentrum steht eine Familienfirma, die Lieblingssohn Alessandro übernehmen soll, während Tolomeo Maler werden will. Farben spielen also eine große Rolle - sie erobern Bühne, Kostüme und die Sänger mit Haut und Haaren. Ein sinnliches Vergnügen, zu dem die ausgewählten Arien von Tolomeo (Soomi Hong), Alessandro (Counter-Tenor Armin Stein), Elisa (Lisa Jackson) und Seleuce (Lotta Hultmark) in hoher Gesangsqualität beitragen. Von einem Kammermusik-Trio unterstützt ist Händels Musik im kleinen Raum vollkommen präsent.

Hamburger Morgenpost

Schlacht der Farben

Händel-Oper "Tolomeo" erstmals in Hamburg, eingedampft auf zwei Stunden



Mal ehrlich: Wer hat denn heute noch die Geduld, sich vierstündige Opern mit antiker Thematik anzusehen? Die Frage stellte sich auch das Opernloft bei Händels "Tolomeo" - und dampfte als Antwort alles aufs Nötigste ein. Dahinter steckt das löbliche Anliegen, Oper vor allem für ein jüngeres Publikum zugänglicher zu machen.

Und das mag's bekanntlich bunt. Dem kommt Regisseurin Inken Rahardt entgegen und schickt die vier Darsteller mit Farbtuben auf die Bühne. Denn sowohl im Original als auch in der Fassung des Jungen Musiktheaters malt Tolomeo (Soomi Hong) lieber Bilder, statt als ältester Sohn die Macht zu übernehmen. Zur Freude des jüngeren Bruder Alessandro (Armin Stein), denn "Mamas Liebling" leitet den Familienbetrieb. Am Ende sind die Brüder ein Herz und eine Seele - auch wenn die brave Seleuce (Lotta Hultmark) und die verführerische Elisa (Lisa Jackson) für einige Verwirrung sorgen.

Neben Händels großartigen Koloraturen, bei denen besonders die Soprane hervorstachen, gab es humoristische Pädagogik, die zum Beispiel über Kastraten und "Hosenrollen" aufklärte. Bei so viel Crossover durfte in dieser zweistündigen Farbschlacht neben Klavier, Geige und Cello die E-Gitarre am Ende nicht fehlen.

Fazit: Ein Konzept, das aufgeht: Das Publikum tobte vor Begeisterung!