Inken Rahardt - Opernregisseurin und Autorin

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Unter jedem Stück finden Sie die jeweiligen Kritiken.

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Wenn Inken Rahardt über ihre Arbeit spricht, dürften so manch gestandenem Opernfan die Haare zu Berge stehen. Denn auf den ersten Blick scheint Rahardt der Oper gegenüber komplett respektlos. Das beginnt beim Umgang mit dem „Rohstoff“ Oper, also beim Werk, wie es einst Wagner, Mozart, Bizet und Konsorten in ihre Partituren geschrieben haben.

Rahardts Inszenierungen nämlich dürfen nie länger als 90 Minuten dauern. „Spielfilmlänge. Das sind die Leute gewohnt“, begründet die studierte Opernsängerin den harten Schnitt. 90 Minuten für einen Ring der Nibelungen (Original rund 15 Stunden), die Zauberflöte (zweieinhalb Stunden) oder Carmen (fast drei Stunden)? Und es endet beim Bühnenspiel selbst. Anstelle von großer Oper ist bei Rahardt Schauspiel á la Texttheater mit Gesang angesagt. „OperaBreve“ – nichts weiter als Instantoper für Kulturbanausen?

Der Anspruch jedenfalls ist ein anderer. Angefangen hat das Projekt der Hamburger Opernloft, sozusagen die kleine, flippige Schwester der Staatsoper, mit einem Tourneetheater speziell für Kinder. Rahardt ist mit ihrer Truppe in die Schulen gefahren, um den Kleinen große Musik in kindgerechter Aufbereitung näher zu bringen.

Vor anderthalb Jahren dann wurde die Loft eingerichtet. Schnell stellten die Opernmacher fest: Es kommen bei weitem nicht nur Kinder. Auch Erwachsene zeigten sich von der unkonventionellen Art, Oper auf die Bühne zu bringen, angetan. „Viele haben hier die Oper für sich entdeckt“, hat Rahardt beobachtet. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Yvonne Bernbom entwickelte die Regisseurin die Idee der Oper für Einsteiger.

„Die klassische Oper scheint in breiten Teilen der Bevölkerung negativ besetzt zu sein“, bemerkt Rahardt. Neben dem Sehen-und-gesehen-werden, das viele Menschen abschrecke und ihnen den Eindruck vermittle, es handle sich bei der Oper um eine Welt, in die sie nicht hineingehörten, sei da auch diese überholte Bühnenwelt: „Abgehalfterte Diven und unnatürliche Körperlichkeit; plus langatmige Inszenierungen“. Und dann glaubten viele auch, sie bräuchten erst einmal ein gewisses Maß an Grundbildung, um Oper überhaupt verstehen zu können.

Darum also Inszenierungen von maximal 90 Minuten Länge sowie Akteure, die nicht nur singen, sondern tatsächlich ihre Rollen auch spielen. Singender Weise. Und Hintergrundinformationen, die in das Stück mit eingeflochten werden. Wie zum Beispiel bei Carmen von George Bizet. Rahardt hat das Stück aus dem spanischen Sevilla in eine Schule verlegt. Im Unterricht wird die Oper durchgenommen, wobei sich die vier Akteure nur allzu schnell selbst in die Geschichte von Liebe, Eifersucht und unerwidertem Begehren. Dies sowie vier hervorragende Sänger, die zum Teil auch großartige und vor allem authentische Schauspieler sind plus einer Kammerbesetzung reicht, um in der Hamburger Opernloft Carmen auferstehen zu lassen. Und diesen Opernabend zu einem besonderen Erlebnis zu machen, bei dem jegliche Kürzung in Vergessenheit gerät und sämtliche Beteiligte durch ihr Können überzeugen. Dies ist Oper, die Spaß macht.

„Im Grunde hinkt die klassische Oper dem Sprechtheater um etwa 40 Jahre hinterher“ ist Rahardt überzeugt. Die OperaBreve nicht. Hier können sich die großen Häuser so manches abgucken. Und damit ist sie eines ganz gewiss nicht: Oper allein für Einsteiger.